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Nachwuchsprofis im Gespräch

Robert Schulze (l.) und Max-Henri HerrmannZoom
Robert Schulze (l.) und Max-Henri HerrmannFoto: Eibner-Pressefoto
30.12.2012 - 12:24 Uhr

Viele junge Handballer träumen vom Durchbruch in der Bundesliga. Linksaußen Robert Schulze (21) und Torhüter Max-Henri Herrmann (18) sind auf dem besten Wege dorthin. Sie stehen beim HSV unter Vertrag und lauern auf ihre große Chance. Robert Schulze wechselte bereits 2009 vom HSV Insel Usedom nach Hamburg, Max-Henri Herrmann kam im Sommer 2012 vom TSV Bayer Dormagen zum HSV. Handball.de Mitarbeiter Oliver Jensen sprach mit den beiden über ihr Leben als Nachwuchsprofi. 

Handball.de: Wie entstand bei Euch der Kontakt zum HSV? 

Herrmann: “Ich hatte nach einem Training einen Anruf auf der Mailbox, kannte die Nummer allerdings nicht. Als ich zurückrief, meldete sich Martin Schwalb am Telefon. Ich wurde nach Hamburg eingeladen und habe ein einwöchiges Probetraining absolviert.” 

Schulze: “Bei mir entstand der Kontakt über den HSV-Jugendkoordinator Gunnar Sadewater. Wir kannten uns bereits seit vielen Jahren. Ich wollte ohnehin bald zu einem größeren Verein wechseln. Das Angebot von Gunnar Sadewater, ich dürfte bei den Profis mittrainieren und der U23 regelmäßig spielen, kam genau zur rechten Zeit." 

Handball.de: War Euch sofort klar, dass Ihr den Sprung zum HSV wagen würdet? 

Herrmann: “Ich musste einige Zeit darüber nachdenken. Natürlich ist es eine Ehre, von einem großen Verein umworben zu werden. Aber der HSV hat den Anspruch, um die Meisterschaft zu spielen. Für einen jungen Torhüter ist es schwierig, Spielzeit zu bekommen. Aber ich denke, man wächst auch mit seinen Aufgaben.” 

Schulze: “Natürlich ist es beim HSV schwieriger, Spielpraxis zu bekommen. Aber wenn man das Ziel hat, sich hier durchzusetzen, muss man eben alles daran setzen. Wichtig ist die Einstellung. Auch wenn man wenig Einsatzzeit bekommt, muss man immer weiter kämpfen. Irgendwann kommt die Chance, die man nutzen muss. Und es bringt auch Vorteile, als junger Spieler bei einem Spitzenverein zu sein. Man entwickelt sich persönlich weiter und lernt in jedem Training etwas dazu. Bei den Weltklasse-Handballern sieht man einige Tricks, woraus man selber einen eigenen Stil entwickeln kann."

Handball.de: Wie schwierig war es, sich an das hohe Niveau bei einem Bundesligisten zu gewöhnen? 

Herrmann: “Ich habe vorher bereits in der 2. Liga gespielt. Trotzdem war das Niveau beim HSV ganz anders. Ein Torwart muss sich besonders an das Timing gewöhnen. Die Würfe sind nicht unbedingt härter als in der 2. Liga, aber viel platzierter. Ich als Torwart muss länger warten, darf mich nicht zu schnell bewegen. Ein Top-Spieler erkennt die dadurch entstehenden Freiräume und macht das Tor.” 

Schulze: “Bei meiner ersten Trainingseinheit bei den Profis waren aufgrund der Länderspielpause nur acht Leute beim Training. Wir spielten vier gegen vier. Es lief gleich so gut, dass mich Martin Schwalb mit zum Pokalspiel nahm und ich sogar spielen durfte." 

Handball.de: War es nicht schwierig, plötzlich im Training gegen Weltklassespieler zu spielen? 

Schulze: “Ich habe bereits im Jugendbereich immer eine Altersklasse höher mitgespielt. Als B-Jugendspieler in Usedom habe ich bereits bei den Herren mittrainiert. Das hat mich einen Schritt nach vorne gebracht, weil ich mich an die körperliche Härte gewöhnte. Das war mir auch beim HSV nützlich." 

Handball.de: Max, Du bist mit 14 Jahren auf ein Sport-Internat gegangen. Wie wichtig war dieser Schritt für deine Entwicklung? 

Herrmann: “Sehr wichtig. Die Trainingsbedingungen sind einfach viel besser. Im Verein habe ich zuvor nur zwei- oder dreimal die Woche trainiert. Als ich zu Bayer Dormagen gewechselt bin, hatte ich bereits ohne Internat fünf Trainingseinheiten wöchentlich. Später im Internat gab es zehn- oder zwölfmal Training. Dazu zählte Krafttraining, Athletiktraining und spezielles Torwarttraining. All das war für meine Weiterentwicklung wichtig. Bayer Dormagen war mein Sprungbrett.” 

Handball.de: Viele junge Handballer in Deutschland träumen von einem Profivertrag. Nur bei wenigen erfüllt sich der Traum. Was habt Ihr besser gemacht als andere? 

Herrmann: “Es gehört natürlich auch Glück dazu. Man braucht einen Trainer, der einem vertraut und auf einen setzt. Aber auch die persönliche Einstellung ist wichtig. Man muss immer konsequent an sich arbeiten. Der größte Fehler wäre, nach dem ersten Profivertrag bereits zu glauben, man habe es nun geschafft.” 

Schulze: “Jeder junge Handballer, der Talent sowie die richtig Einstellung mitbringt, hart an sich arbeitet und etwas Glück hat, kann Profi werden.” 

Handball.de: Was war es für eine Erfahrung, erstmals vor mehreren tausend Zuschauern zu spielen?

Herrmann: “Man muss lernen, damit umzugehen. Das ist ein Entwicklungsprozess. Natürlich war ich nervös, als ich in der 2. Liga vor rund 2.000 Zuschauern spielte. Auch jetzt beim HSV ist immer noch Nervosität vorhanden. Aber ich lerne mehr und mehr, das auszublenden und mich auf das Spiel zu fokussieren.” 

Schulze: “Wenn man vor einem großen Publikum aufläuft, ist man total überwältigt. Aber ich habe das auch genossen. Beim ersten Champions-League Heimspiel spielte ich vor etwa 2.800 Zuschauern. Die Stimmung war super. Und wenn man einmal vor 2.800 Zuschauern gespielt hat, kann man auch in der O2 World vor 10.000 Zuschauern spielen. Das macht keinen Unterschied. Selbstverständlich ist auch heute noch etwas Anfangsnervosität vorhanden. Aber sobald das Spiel beginnt, hat sich das erledigt.” 

Handball.de: Seid Ihr Vollprofis und spielt nur Handball oder macht Ihr nebenbei eine Ausbildung? 

Schulze: “In meinem ersten Jahr beim HSV habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Hamburger-Handball-Verband gemacht. Danach habe ich ein Studium im Bereich Erziehungswissenschaften begonnen. Leider ließ sich das mit dem Sport nicht vereinbaren, daher musste ich abbrechen. Aber ich würde gerne ein Fernstudium im Sportmanagement oder Sportmarketing beginnen.” 

Herrmann: “Ich mache eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann. Gerade für einen jungen Spieler ist es wichtig, neben dem Handball etwas zu machen. Die Profikarriere kann leider schnell vorbei sein. Natürlich ist das sehr zeitintensiv. Um acht Uhr morgens bin ich im Büro und arbeite bis etwa 15 Uhr. Dann geht es zum HSV, wo ich bei den Profis mittrainiere. Und Abends nehme ich auch noch an dem Training der U-23 Mannschaft teil.” 

Handball.de: Du trainierst bei den Profis und bei der U-23 am gleichen Tag? 

Herrmann: “Ja, Stefan Terzic und ich machen das. Natürlich ist das nicht ganz einfach. Nach dem Training mit den Profis habe ich meist zwei Stunden Pause. Der Körper fährt in dieser Zeit runter. Danach muss man wieder voll da sein. Aber weil ich auch in der U23-Spielpraxis sammele, ist es wichtig, am Training teilzunehmen.” 

Handball.de: Ich Danke Euch für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg. 

Tags: robert schulze, max-henri herrmann, hsv, hamburg
Autor: Oliver Jensen
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