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Jugendhandball bei der HSG Konstanz

07.01.2013 - 13:55 Uhr

„Bayern eins, Dortmund null“ hallt es aus der „Arena“. Jubelgeschrei ist zu hören und auch ein entsetztes Stöhnen. Nein, wir sind weder in München, noch in Dortmund. Es ist ein regnerischer Mittwochabend und wir befinden uns in der Schänzle-Sporthalle in Konstanz. Es wuselt gerade eine kaum zählbare Traube voller kleiner Menschen durch die Halle eins – so schnell bewegt sie sich von einem zum anderen Ende der Halle. Mittendrin ist Robert Martin, Abteilungsleiter der Handballabteilung des TV Konstanz und seit vielen Jahren passionierter Jugendtrainer der Nachwuchshandballer. Zusammen mit dem HCDJK Konstanz bildet der TV Konstanz die Handballspielgemeinschaft (HSG) Konstanz.

Hin und wieder muss er zusehen nicht über den Haufen gerannt zu werden, dann erhebt er das Wort: „Was machst du denn im Kreis? Sag mal, wie lange spielst du jetzt schon Handball?“, fragt er einen kleinen Nachwuchshandballer. Der kleine Junge entgegnet ihm keck: „Ich bin doch bloß reingesprungen“. Dann beschwert sich ein Junge über einen ausbleibenden Auspfiff des Trainers und Schiedsrichters in Personalunion. Die Rasselbande ist wirklich schwer zu kontrollieren, doch Robert Martin weiß genau wie er mit seinen Schützlingen umgehen muss und so lautet seine Antwort auf die Forderung lapidar: „Aus ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“ Robert, oder Robi wie er oft einfach genannt wird, ist als Jugendtrainer nun bereits seit fast 15 Jahren dabei und kann auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen. So befindet er sich immer auf Ballhöhe – wie gesagt gar nicht so einfach – und gibt Tipps, erklärt Regeln und motiviert die Kinder immer wieder. Mit Erfolg, wie man sieht – auch wenn die Bajuwaren gerade ihren Vorsprung weiter ausbauen und ihren Torerfolg dementsprechend feiern. Immer wieder unterbricht der Trainer das Spiel und lässt bereits erste kleine Spielzüge einüben. Dann geht ein Spieler mit einem lauten Schrei zu Boden und Robert weiß gleich Bescheid: „Nix hasch“, ruft der dem Spieler zu und dieser springt sogleich wieder auf. Der Angriff wird zu Ende gespielt und schon wieder landet der Ball, nun ja: deutlich über dem Tor. Robert erklärt seinen Spielern: „Da muss der Ball rein, nicht immer oben drüber“. Und tatsächlich, es fällt das nächste Tor und die Borussen können endlich verkürzen.

Als Jugendtrainer hat man es nicht leicht, muss um Hallenzeiten kämpfen und sich über unzuverlässige Menschen ärgern. Meistens sind das aber nicht die kleinen Handballspieler selbst, sondern deren Eltern. „Doch überwiegend kann man sich auf die Leute verlassen“, meint Robert. Zudem ist es immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind sich ehrenamtlich zu engagieren und um die Kleinsten zu kümmern. „Wir suchen immer neue Jugendtrainer – das ist doch so eine tolle, erfüllende Aufgabe. Die Kleinen danken es dir und das macht dich zu Recht auch ein bisschen stolz. Man sieht jeden Tag kleine Fortschritte und im Idealfall grüßen mich irgendwann die Spieler der ersten Mannschaft als ihren ehemaligen Trainer.“

Am wichtigsten ist es ihm jedoch „Spaß zu vermitteln, die Kleinen vom Handballsport zu begeistern und zu gesunder Bewegung und einem Ausgleich zu animieren.“ So sei die Freude am Training wichtiger als jeder Sieg, denn gerade im Sport können die Jungs und Mädchen ihre Grenzen kennenlernen. „Die dürfen bei einer Niederlage auch mal heulen, da lernen sie auch mit Rückschlägen umzugehen. Ich richte sie wieder auf und verabschiede sie immer mit einem positiven Schlusssatz wie: Heute habt ihr aber gut verteidigt.“ Der Sieg steht in solch frühen Jahren nicht im Vordergrund, denn meist ist das Ergebnis schneller vergessen als man denkt. Zumindest die Spieler selbst können sich schon am Montag kaum mehr an ihre Ergebnisse vom Wochenende erinnern. So kann Robert in der Trainingswoche wieder geduldig dieselben Grundübungen der Vorwoche wiederholen. Dabei übt er lieber „Koordination als Kondition“ und legt wert auf Abwechslung und Teamgeist, sodass alle Spieler gleichmäßig Spielanteile bekommen und auch gleichermaßen aktiv in das Spiel eingebunden werden.

Der Lehrer ist damals, als seine Tochter mit dem Handballspielen begonnen hat, als Trainer zur HSG Konstanz gekommen – und ist seither nicht mehr aus dem Jugendbereich wegzudenken. Die meisten Spieler kommen über die regelmäßig veranstalteten Grundschulaktionstage oder Handball-AGs an den Konstanzer Schulen zur HSG. „Ganz wichtig ist aber auch die Mundpropaganda“, fügt Robert Martin hinzu und fährt fort: „Wenn es meinen Kleinen gefällt schwärmen sie ihren Freunden vom Handball vor – und die wollen dann auch unbedingt zu uns“. Dabei bietet die HSG Konstanz auch Kindern von Empfängern der Grundsicherung für Arbeitsuchende, sog. „Hartz IV“, diverse Möglichkeiten zur Mitgliedsbeitragsfinanzierung.

Um den Trainings- und Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können, bittet die HSG die Eltern der Kinder regelmäßig um Kuchenspenden oder um Mithilfe an den Heimspieltagen. Zum Schluss möchte Robert Martin noch einmal Werbung für den Posten eines Jugendtrainers bei der HSG Konstanz machen und erzählt von unvergleichlichen Erlebnissen mit seinen Schützlingen. So sind seine Spieler in einem Match einmal nach einer geglückten Balleroberung voller Elan auf das Tor gestürmt – leider war es das eigene. Ein anderes Mal führte sein Team bereits 44:0 und seine Spieler gingen nach einem Pfiff bereits vom Feld. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken gewesen, dass der Gegner vor dem tatsächlichen Schlusspfiff doch noch auf den Endstand von 44:1 verkürzen konnte. „Die Freude am Sport ist das Ziel und man lernt dabei so viele tolle Menschen kennen. Außerdem lernst du hier was fürs Leben. So musste ich einen Spieler, nachdem er bereits mehrfach die Gesundheit eines anderen Spielers gefährdet hat, aus dem Team werfen. Nach den Sommerferien kam er zu mir, entschuldigte sich und meinte mit dem Hinweis darauf, dass Handball sein leben sei: jeder Mensch sollte eine zweite Chance erhalten. Ich gab sie ihm und er hat sich immer korrekt verhalten...“.

Der Verein HSG Konstanz

Die HSG Konstanz, eine Spielgemeinschaft der beiden Konstanzer Handballvereine TV Konstanz und HCDJK Konstanz, besteht seit 1980 und hat über 400 Mitglieder, davon über 80 Prozent Jugendliche. Mehr als 20 Mannschaften sind für den Spielbetrieb gemeldet. Ziel dieser Spielgemeinschaft ist es, durch Bündelung der Kräfte den Handballsport in Konstanz zu stärken, sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport. Dies soll insbesondere durch eine qualifizierte Nachwuchsarbeit erfolgen. Die Jugendspieler werden technisch und spieltaktisch analog der 1. Herrenmannschaft ausgebildet. So schafft es die HSG Konstanz immer wieder, A-Jugendliche nahtlos in den Bundesligakader einzubauen.

Die Jugendmannschaften spielen bis auf die A-Jugend alle in der jeweils höchsten Spielklasse, so wie etwa die B-Jugend in der Baden-Würrtemberg Oberliga und die C-Jugend in der Südbadenliga. Die A-Jugend spielt in der zweithöchten Spielklasse, der Südbadenliga, nachdem sie sich letzte Saison noch für die erstmals durchgeführte A-Jugend-Bundesliga qualifizieren konnte.

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