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Interview mit Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

"Es war immer mein Traum, für Deutschland zu spielen"

Kevin Schmidt (HSG Wetzlar) beim WurfZoom
Kevin Schmidt (HSG Wetzlar) beim WurfFoto: Eibner-Pressefoto
03.01.2013 - 11:06 Uhr

Nun darf er also doch noch ran. Nach der schweren Verletzung von National-Linksaußen Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) berief Bundestrainer Martin Heuberger den 24-jährigen Kevin Schmidt in den WM-Kader. Der Mann von der HSG Wetzlar steht damit vor dem ersten Großturnier mit der DHB-Auswahl in seiner Karriere. Doch so ganz unerfahren ist er im Dress des Verbandes nicht. Schon 2009 gewann er unter der sportlichen Leitung Heubergers den Titel des Junioren-Weltmeisters. Kurz vor dem Abflug zum Testspiel der DHB-Auswahl in Schweden stand Linksaußen Kevin Schmidt für ein ausführliches Interview zur Verfügung.
 
Unverhofft kommt oft: Haben Sie vor zwei Monaten überhaupt einen Gedanken an eine WM-Teilnahme verschwendet?
Kevin Schmidt: "Das kam schon überraschend. Als sich Uwe Gensheimer verletzte, was mir richtig leid tut für ihn, wusste ich schon, dass ich im Blickfeld des Bundestrainers bin. Dass er aber dann direkt bei mir anrief, habe ich so nicht erwartet. Aber er hat mir sofort ein richtig gutes Gefühl gegeben und gesagt, ich soll ganz einfach mein Ding machen."
 
Mussten Sie umplanen für die Zeit rund um Silvester?
Kevin Schmidt: "Ich hatte noch nichts geplant, insofern war das alles überhaupt kein Problem. Aber ich denke schon, dass ich noch zum Skilaufen gegangen wäre, wenn die Nominierung nicht gekommen wäre."
 
Wie fühlt sich das an, Teil des WM-Kaders zu sein?
Kevin Schmidt: "Ich kenne viele Spieler ja bereits aus der Bundesliga. Aber für mich geht mit dieser Nominierung der Traum in Erfüllung, bei einer WM für Deutschland zu spielen."
 
Es gibt Leute, die behaupten, dass das nicht alle Spieler so sehen. Diskutieren Sie in der Mannschaft die Absagen von Holger Glandorf und Lars Kaufmann?
Kevin Schmidt: "Überhaupt nicht. Wir schauen ganz allein auf uns und wollen daraus unsere Stärke ziehen. Wir fahren mit einer jungen Mannschaft nach Spanien, die nichts zu verlieren hat. Aber vielleicht können wir gerade deshalb überraschen. Mindestens das Achtelfinale ist das Ziel. Und in den K.o.-Spielen ist dann hoffentlich auch noch was möglich."
 
Macht Ihnen der Umstand, dass die HSG Wetzlar den größten Block innerhalb des Kaders bildet, die Integration leichter?
Kevin Schmidt: "Ich bin vom gesamten Team super aufgenommen worden, aber klar, das ist schon ein Vorteil. Toll fand ich, das gerade die älteren Spieler auf mich zugekommen sind. Das war weder arrogant noch abgehoben. Die haben mir sofort das Gefühl gegeben, dass ich genau so dazugehöre wie alle anderen auch."
 
Auch Bundestrainer Martin Heuberger ist für Sie kein Unbekannter. Bereits 2009 gewannen Sie unter seiner sportlichen Leitung den Weltmeistertitel mit dem Junioren-Nationalteam.
Kevin Schmidt: "Stimmt. Aber ich habe hier auch meine damaligen Teamkollegen Patrick Groetzki, Patrick Wiencek, Tobias Reichmann und Steffen Fäth wieder mit dabei, die ebenfalls 2009 Junioren-Weltmeister wurden. Das belegt, das Martin Heuberger den Weg des Umbruchs konsequent weitergeht."
 
Mit 24 Jahren darf man – ohne respektlos zu klingen– sagen, dass Sie als Nationalspieler ein Spätberufener sind. Haben Sie eine Karriere in der DHB-Auswahl überhaupt noch auf dem Schirm gehabt?
Kevin Schmidt: "Im Hinterkopf hatte ich das eigentlich immer. Aber ich wusste natürlich auch, dass die Konkurrenz auf Linksaußen hierzulande riesengroß ist. Dennoch war es immer mein Traumziel, für unser Land zu spielen. Und die Hinrunde, die die HSG Wetzlar hingelegt hat, hat möglicherweise auch dazu beigetragen."

Mit Ihrem Klub, der HSG Wetzlar, haben Sie in der Hinrunde tatsächlich mächtig für Furore gesorgt. War dieser Formanstieg des Teams allein dem Trainerwechsel geschuldet?
Kevin Schmidt: "Das war gewiss ein ganz wichtiger Faktor. Aber die HSG ist vor Saisonbeginn auch sehr gut verstärkt worden. Jens Tiedtke kam zu uns, Tobias Reichmann und Michael Müller auch. Dann gewannen wir zum Auftakt gegen den HSV Hamburg. Das hat uns jede Menge Selbstvertrauen gegeben, sodass dann plötzlich viele Dinge wie von allein zu laufen schienen, Das ist oft reine Kopfsache. Zudem hält Kai Wandschneider bei uns schon den Finger drauf und achtet darauf, dass wir weiter vernünftig arbeiten und nichts dem Zufall überlassen bleibt."
 
Kurz vor dem Ende der Hinrunde geriet ein wenig Sand ins Getriebe. Zudem gingen einige Spiele gegen Spitzenteams denkbar knapp verloren. Nagt das am Selbstvertrauen?
Kevin Schmidt: "Wenn man gegen Kiel mit nur einem Treffer Differenz verliert, dann ist das nicht so schlecht, finde ich. Aber wir haben in Hamburg mit sechs Treffern vorn gelegen, richtig gut gespielt und verlieren dann am Ende mit einem Treffer. Das tut weh, und das kostet auch viel mentale Kraft. Dummerweise kamen dann die Niederlage in Minden – unsere schlechteste Saisonleistung – und die Heimpleite gegen Balingen dazu. Das bleibt schon in den Köpfen hängen." 

Wie wichtig ist Ihr Vereinscoach Kai Wandschneider für Ihre persönliche Entwicklung?
Kevin Schmidt: "Dass der Trainer gut mit jungen Leuten kann, hat er ja schon mit seiner Arbeit in Dormagen bewiesen. Ich kann davon nur profitieren. Ich bin nun die Nummer eins auf meiner Position, aber mein Trainer erlaubt mir dennoch, auch mal einen Fehler zu machen. Er nimmt sich für jeden Spieler sehr viel Zeit. Ich kann sagen, dass er mich dahin gebracht habe, wo ich heute bin."
 
Was ist denn noch drin für die HSG? Dürfen die Fans vom Europacup träumen?
Kevin Schmidt: "Nun ja, gegenwärtig sind wir nur noch auf Platz neun. Aber unser ursprüngliches Ziel war der Klassenverbleib. Dazu fehlen uns noch zwei, drei Pünktchen. Wenn wir die haben, werden wir mal sehen, was noch geht. Die Gesamtentwicklung der HSG ist nach dem Stahlbad Abstiegskampf, das wir in der vergangenen Saison erleben mussten, doch schon um ein Vielfaches erfreulicher."
 
Und Ihre persönliche Perspektive? Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung aus?
Kevin Schmidt: "Erst einmal habe ich in Wetzlar noch einen bis zum Sommer 2014 laufenden Vertrag. Über das, was danach kommt, mache ich mir zurzeit noch keinen Kopf. Ich fühle mich in Wetzlar sehr wohl. Zudem möchte ich mich mit guten Spiele für die HSG auch nach der WM wieder für die Nationalmannschaft empfehlen und eingeladen werden."

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