Dago Leukefeld im Freiwurf-Interview
"Das darf nicht kaputt gehen, das muss bleiben!"
Dago Leukefeld kam als Interimstrainer für das wichtige Spiel der Miezen gegen die SVG Celle am 30. Dezember, nachdem Thomas Happe den Verein verlassen hatte. Aus der kurzen Lösung ist dann ein Engagement bis zum Saisonende geworden. Das Hallenmagazin der Miezen, Freiwurf, hat nun mit dem Thüringer gesprochen und stellte fest, dass Leukefeld und die Miezen ein emotionales Band verbindet, welches überhaupt kein Verfallsdatum hat.
Dago, Hand aufs Herz, hättest du gedacht, einmal wieder das Trainertrikot mit der Aufschrift DJK/MJC Trier überzustreifen?
Ich habe das nie ausgeschlossen, man soll bekanntlich ja niemals nie sagen. Das habe ich schon in einem Interview 2004 gesagt. In letzter Zeit hatte ich mir zwar keine Gedanken darüber gemacht, aber daran sieht man mal, wie schnell solche Situationen entstehen können.
Wie hat es sich angefühlt wieder nach Trier zu kommen? Du hast das erste Spiel in der Arena ja als Trainer selbst noch miterlebt und danach wurde der Meistertitel gefeiert. Jetzt sitzt du wieder in dieser Halle auf der Bank.
Es war sehr emotional, viel mehr als ich gedacht hatte. Als ich dort saß, das Licht ausging und die Mannschaft einlief, war das sehr emotional. Ich habe in dem Moment zu unserer Physiotherapeutin Vera gesagt: „Das darf nicht kaputt gehen, das muss bleiben.“ Diese Stimmung ist einfach beeindruckend.
Mit dem Sieg gegen Celle habt ihr einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Das war ein Einstand nach Maß für dich. Danach gab es sicher Positives wie Negatives. Was ist deine sportliche Analyse der letzten Wochen?
Wir müssen uns eingestehen, dass wir eine Mannschaft haben, die qualitativ zwischen der 2. und 1. Liga steht. Es ist sicher schwierig, es gibt viele Probleme, ob nun sprachlich oder zum Beispiel athletisch. Aber bei mir überwiegt das Positive. Im Training sehe ich mit welchem Engagement die Spielerinnen bei der Sache sind, trotz der Probleme. Die Sache ist es also einfach wert. Die Jungen hängen sich richtig rein und auch die Ausländer sind trotz der Probleme im Training mit vollem Einsatz dabei. Unser Defizit ist einfach die fehlende Qualität.
Es ist keine leichte Situation in der sich die Trierer Miezen derzeit befinden. Was war das entscheidende Argument für dich, in Trier aktiv zu werden?
Das war nach dem 30. Dezember (Sieg gegen Celle, Anm. d. Redaktion). Die Reaktion der Mannschaft, das Umfeld, das mich um meine weitere Hilfe gebeten hat, viele Gespräche mit Wirtschaft, Politik, Freunden, die sagten: „Komm hilf.“ Es kam von ganz vielen Seiten und ich war und bin nach wie vor beeindruckt wie viele, trotz der nicht immer positiven Schlagzeilen in den letzten Jahren, mit Herz an den Miezen hängen.
In der Handball-Bundesliga scheint derzeit ja Manches im Argen zu liegen. Du selbst warst kurz vor Saisonbeginn durch die Pleite der Kickers Sindelfingen persönlich betroffen. Andere Vereine mussten wieder große Löcher stopfen. Sportlich wird es immer schwerer die Liga mit konkurrenzfähigen Teams zu füllen, es fehlt ein verlässlicher Spieltagsrythmus. Wird sich die Liga in Zukunft drastisch verändern müssen? Wie könnte das aussehen?
Ich glaube es gibt mehrere Baustellen. Der Verband muss die Strukturen in der Jugendarbeit wieder bewusster auf die Bundesliga ausrichten und die Trainerleistung im Frauenbereich muss sich einfach verbessern. Ich denke, auch die HBF muss sich anders aufstellen und statt ehrenamtlicher auf professionelle Strukturen setzen. Das ist natürlich auch eine Frage des Geldes, aber wir brauchen eine Gesamtvermarktung oder beispielsweise die Vermarktung von Fernsehzeiten. Außerdem muss man am Spielplan arbeiten. Das passiert für die nächste Saison bereits und da gibt es viele gute und neue Ideen. Vor allem muss aber die Nationalmannschaft wieder Aushängeschild werden und da denke ich ist Heine Jensen auf einem guten Weg.
Nochmal zurück zu unserem Team. Du hast der jungen Garde durchweg viel Spielzeit eingeräumt. Ist das die sportliche Zukunft für den Bundesligastandort Trier und wie konkurrenzfähig kann man damit werden?
Es braucht strukturelle Veränderungen. Ein, zwei Topspielerinnen, welche die jungen Wilden führen, das war es was die Miezen stark gemacht hat. Da müssen wir wieder hin. Derzeit haben wir keine Topspielerin und wenige Spielerinnen mit Bundesligaqualität, aber viele, die dahin kommen können. Das Ziel muss eine Garde junger deutscher Spielerinnen plus zwei oder drei Topspielerin sein, schlank aufgestellt, aber mit hoher Qualität.
Abschließende Frage: Da wir positiv denken, fragen wir nicht danach, ob die Miezen die Klasse halten werden. Aber was sind die Qualitäten, die dafür sorgen werden?
An diesem Wochenende spielt Celle gegen Bad Wildungen, da habe ich schon Bauchweh, dass etwas Unerwartetes passieren könnte. Für uns wird es ganz extrem schwer. Um erfolgreich sein zu können, muss es bei allen Spielerinnen, allen Beteiligten ein Überlebenskampf um den Standort Trier sein. Wir müssen alles geben was in uns steckt. Und da habe ich schon ein gutes Gefühl.
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